Selten denken wir daran, dass das Fleisch auf unserem Teller einmal ein fühlendes Lebewesen war. Sieht man sich dieses Lebewesen doch etwas genauer an, wird man festellen, dass es genauso wie 98 Prozent seiner Leidensgenossen aus der sogenannten Intensivtierhaltung stammt. Für die einzelnen Individuen bedeutet dies ein Leben in beklemmender Enge und Schmutz, das Fehlen ärztlicher Versorgung und zahlreiche schmerzhafte Prozeduren. Wenn uns diese Lebewesen in Einzelteilen und in Folie verpackt im Supermarkt präsentiert werden, fällt es uns jedoch oftmals schwer die entscheidende Frage stellen: Nämlich die, wer dieses Fleisch einmal war. Denn in Individuen gerechnet konsumiert der Durchschnittsdeutsche ca. 950 Hühner, 45 Schweine, 45 Puten, 37 Enten, 12 Gänse, 4 Rinder und 4 Schafe. Jedes einzelne dieser Tiere hat ein Bewusstsein und die verschiedensten Gefühle. Wie wir Menschen können sie Glück, Freundschaft und Freude empfinden. Leider erleben die für die Fleischproduktion gehaltenen Tiere kaum eines dieser Gefühle. Ihr Leben ist eine Ansammlung von entsetzlichem Leid, Angst und Verzweiflung bevor sie letztlich der frühe Tod ereilt.

 

Verstümmelung

Während die Tiere tausendfach in einer dunklen Halle zusammengepfercht werden, fehlt es dem Individuum an Beschäftigungsmöglichkeiten. Im eigenen Kot stehend, kann es sich aus Platzmangel kaum bewegen. Der dazu hinzukommende enorme Stress, ausgelöst durch die von Gewalt und Schmerz geprägten Haltungsbedingungen, führt letztlich zur Herausbildung psychologisch krankhafter Verhaltensweisen. So ist z.B. Kannibalismus ein weitverbreitetes Problem der Massentierhaltung. Anstatt jedoch die Ursache dieses Problems zu bekämpfen, werden hier nur Symptome behandelt – zu Lasten der emfpindsamen Lebewesen. Damit also ein Schwein seinen Artgenossen nicht den Ringelschwanz abbeißt, wird ihm dieser abgeschnitten. Dies geschieht ohne Betäubung oder ärztliche Aufsicht. Außerdem werden ihm, sowie allen weiteren Schweinen die Eckzähne abgezwickt. Das ist ein äußerst schmerzhafter Eingriff, der jeder, der sich einmal einer komplizierten Zahnbehandlung unterziehen musste, nachvollziehen kann. Darüber hinaus wird jedes männliche Ferkel im 3-Sekunden-Takt kastriert, damit das Fleisch mit Einsetzen der Pubertät keinen unangenehmen Geschmack entwickelt. Auch bei diesen Eingriffen wird das Schwein ohne Betäubung und ohne Arzt operiert. Ebenso bei den anderen sogenannten „Nutztieren“ werden bereits in jungen Jahren Amputationen und Verstümmelungen vorgenommen, um den stressbedingten Kannibalismus einzudämmen. So werden dem Rind die Hörner abgebrannt und dem Huhn der Schnabel gekürzt. Dies sind schwerwiegende Eingriffe, die mit großen Schmerzen und nachhaltigen Beschwerden verbunden sind. Doch das sind nicht die einzigen Qualen, die ein für die Fleischproduktion gehaltenes Tier zu erdulden hat. Denn die Massentierhaltung ist darauf ausgelegt in möglichst kurzer Zeit möglischt viel Fleisch zu produzieren. Für das Individuum bedeutet dies ein unnatürlich schnelles Wachstum, welches enorme gesundheitliche Schäden mit sich bringt. Seine Gelenke und Knochen können die enorme Last nicht mehr tragen, sodass in Folge dieser Überzüchtung seine Sehnen und Beine brechen. Da es sein Leben in Dunkelheit und den Kotansammlungen der anderen Tiere verbringt ist es anfällig für Krankheiten. In Deutschland sterben etwa 50 Millionen Tiere bereits vor der Schlachtung, weil diese während der Aufzucht derart krank werden, dass sie den unwürdigen Bedingungen der Intensivtierhaltung erliegen.

 

Tod

In den Schlachtanlagen erreichen die fortwährenden Qualen ihren Höhepunkt. Bereits auf dem Weg dorthin wird das Tier mit elektrischen Viehtreibern und Tritten angetrieben. Unter Angst, Stress und Schmerzen muss es die Schreie und den Tod seiner Artgenossen miterleben. Vor der Schlachtung sollen Gaskammern, Bolzenschüsse oder Stromstöße das Tier betäuben. Jedoch werden alleine in Deutschland jährlich 58 Millionen Tiere bei vollem Bewusstsein geschlachtet oder abgebrüht. In 7 Prozent der Fälle wird der Bolzenschuss beim Rind nicht richtig angesetzt, sodass es bei vollem Bewusstsein ist, wenn ihm die Beine abgeschnitten werden. Es ist dabei vollkommen egal, unter welchen Bedingungen das Tier zuvor gehalten wurde, denn 100 Prozent aller Tiere – auch die von Bio-Betrieben – werden und müssen im regulären Schlachthof getötet werden.

 

 

Quellen:

Fleischatlas, 2014.
Deutscher Bundestag: Tierschutz bei der Tötung von Schlachttieren. 2012.
Focus online: Verbot von Akkord Schlachtungen, 500 000 Schweine verbrühen bei lebendigem Leib.